Ausgangslage


Die Stadt Bad Dürkheim verfügt mit dem Salinarium seit 1984 über ein attraktives Freizeitbad. Durch die Kombination aus Hallen- und Freibad weist es seit Jahren eine sehr gute Grundauslastung auf. 15 Jahre nach der Eröffnung wurde das Angebot um eine Saunalandschaft auf dem Dach erweitert, 2011 eine Sanierung der Schwimmhalle vorgenommen. Gleichwohl werden nach nun über 30 Jahren in den kommenden Jahren weitere Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten notwendig.

Gleichzeitig verfügt die Kurstadt auch über ein Thermalbad. Nachdem das Land Rheinland-Pfalz als Mehrheitsgesellschafter die Staatsbad GmbH zum 31.12.2015 auflösen wollte, hat die Stadt die Staatsbad GmbH übernommen und damit den Weiterbetrieb des Thermalbades für die nächsten drei Jahre gesichert. Diverse andere Gesundheitsangebote, die früher von der Staatsbad GmbH im Kurzentrum angeboten wurden, gibt es derzeit nicht mehr.

Aus dieser Situation heraus ergeben sich für die Weiterentwicklung des Kurbetriebs im Allgemeinen und der Bäder im Besonderen neue Möglichkeiten.
 
 

Planungsprozess

Das Kannewischer-Gutachten

Die Kannewischer Ingenieurgesellschaft wurde im Jahr 2014 mit der Erstellung eines Gutachtens zur Machbarkeit des Baus eines Thermalbades als Erweiterung des Salinariums beauftragt. Hierzu wurden zunächst die touristischen Kennzahlen und das Marktpotenzial ermittelt und anschließend die betriebswirtschaftliche Machbarkeit untersucht.

Im Mai 2015 legte die Kannewischer Ingenieurgesellschaft ihr abgeschlossenes Gutachten vor. Dieses betrachtete als Ausgangslage das Salinarium sowie das Thermalbad im Kurzentrum. Es stellte in der Bestandsanalyse rückläufige Besucher- und Anwendungszahlen im Thermalbad fest, für das Salinarium konnten konstante Besucherzahlen und eine gute Grundauslastung konstatiert werden. Im Salinarium ergibt sich laut Gutachten innerhalb der nächsten Jahre ein Sanierungsbedarf bei Technik und Organisation von rund 5 bis 8 Millionen €.

Die Gutachter ermittelten bei der Untersuchung des Marktpotenzials ein Einzugsgebiet von fast 5.3 Millionen Einwohnern in 60 Autominuten Entfernung zum Salinarium. In der Wettbewerbsanalyse untersuchten die Gutachter alle Bäder im Umkreis von 60 Autominuten. Die Analyse ergab, dass im Einzugsgebiet eine relativ hohe Dichte an Freizeit- und Erlebnisbädern besteht, echte Thermalbäder jedoch nach Ansicht der Gutachter erst im weiteren Umfeld auszumachen sind.

Als Marktchance arbeitet die Kannewischer Ingenieurgesellschaft ein erholungsorientiertes Badeangebot mit attraktiver Saunalandschaft in hochwertiger Architektur bzw. Gestaltung heraus. Daher wird empfohlen, das Salinarium um einen hochwertigen, erholungsorientierten Thermalbadebereich zu ergänzen. Zielgruppenkonflikte sollen durch räumliche Untergliederung sowie Ausgestaltung verschiedener Tarifzonen vermieden werden. Außerdem wird eine bauliche und technische Sanierung der noch nicht erneuerten Bereiche im Salinarium (Ziel: durchgängiger Standard Altbau / Neubau) sowie eine Neukonzeption der gesamten Saunaanlage zwecks optimaler Anbindung an Thermalbad-Neubau und Schaffung eines Saunagartens befürwortet.

Nicht zuletzt prüften die Gutachter verschiedene Möglichkeiten der Erweiterung des bestehenden Bades und präsentierten drei Varianten, die eine ähnliche kalkulatorische Gesamtbelastung zur Folge haben. Die vollwertige Vatiante I bedeutet nach ihrer Aussage die größte Investition, hat aber das kleinste jährliche Betriebsdefizit zur Folge. Die Minimalvariante verursacht zwar die kleinste Investition, hat aber ein mit Abstand höheres Betriebsdefizit zur Folge und die mittlere Variante ist eine Kompromiss-Lösung.

In seiner Sitzung am 11. Juni 2015 entschied der Bau-und Entwicklungsausschuss, die „Variante I Neubau vollwertig“ weiterzuverfolgen.

Erfahren Sie Einzelheiten des Kannewischer-Gutachtens in der Auftaktveranstaltung am 12. April 2016!

Die Mehrfachbeauftragung

Im Sommer 2015 führte die Stadt eine Mehrfachbeauftragung verschiedener Architekturbüros zur Entwicklung eines Plangutachtens für die konkrete Erweiterung durch.

Durch die Mehrfachbeauftragung von Plangutachten an qualifizierte Architekturbüros aus dem Bäderbereich wurde die Machbarkeitsstudie der Firma Kannewischer auf die architektonische und funktionale Realisierbarkeit überprüft. Dies sollte bei der Entscheidungsfindung helfen und die kreative Konkurrenz mehrerer Planungsteams herausfordern.

Die Stadt beauftragte im vorliegenden Fall die Architekturbüros 4a Architekten (Stuttgart), Behnisch Architekten (Stuttgart), Rüdiger Baumann Generalplanung (Berlin), Sacker Architekten (Freiburg) und sander.hofrichter Architekten (Ludwigshafen). Alle fünf Büros erarbeiteten ein Plangutachten für den Bau eines Thermalbades /Erweiterung des Salinariums anhand der gleichen Aufgabenstellung und mit identischen Vorgaben. Diese lauteten:

  • Die Stadt hat sich für die Variante I Neubau „vollwertige“ gemäß dem Schlussbericht der Firma Kannewischer entschieden.
  • Die östlich an das Salinarium anschließende Salierhalle (Stadthalle) kann nicht für eine Erweiterung genutzt werden. Ein Abriss und Neubau der Halle an anderer Stelle ist aus finanziellen Gründen und wegen der Verknüpfung mit dem Mercure-Hotel nicht möglich.

Eine Aufstockung der Salierhalle ist aus statischen Gründen nicht möglich, da nicht nur die aufgehende Konstruktion keine weiteren Belastungen verträgt, sondern auch die bestehende Bohrpfahlgründung nicht ertüchtigt werden kann.

  • Nach Möglichkeit wäre es günstig, wenn eine spätere Erweiterung des Salinariums / Thermalbad in Richtung Salierhalle berücksichtigt werden könnte.
  • Südlich und westlich des „Salinariums“ befindet sich Wohnbebauung, die keine Erhöhung der Lärmimmissionen verträgt.
  • Die Brunnenhalle westlich des „Salinariums“ ist Teil des Gartendenkmals Kurpark und ist zu erhalten. Sie kann für Teilnutzungen in das Gesamtensemble einbezogen werden und nach Norden erweitert werden.
  • Die Kostenschätzung nach Kannewischer darf maximal um 10 % überschritten werden, es sei denn, dass sich durch die erhöhten Investitionen auch die Ertragslage nachweislich im gleichen Umfang verbessert und nicht zu einem größeren Defizit führt.

 

Im November 2015 prüfte schließlich eine eigens zusammengestellte Jury die eingereichten Entwürfe der Büros.
In der Jury waren vertreten:

  • Bürgermeister Wolfgang Lutz
  • Erster Beigeordneter Gerd Ester
  • Dr. Ing. Helmut Lerch, Heidelberg
  • Stefan Studer, Fa. Kannewischer
  • Dipl-Ing. Franz Strobilius, Bad Boll
  • Peter Kistenmacher, Geschäftsführer Stadtwerke
  • Günter Diehl, Betriebsleiter Salinarium
  • Dipl-Ing. Dieter Petry Fachbereich Bauen
  • Dipl-Ing. Steffen Wietschorke Fachbereich Bauen
  • Dipl-Ing. Petra Müller Fachbereich Bauen

 

Die Prüfung erfolgte nach den folgenden Kriterien:

  • Architektonische Umsetzung des Gutachtens Kannewischer als funktionale Vorgabe für eine Erweiterung um ein thermenartiges Angebot.
  • Änderungen dieser funktionalen Vorgabe sind jederzeit möglich, müssen aber schlüssig und nachvollziehbar analog dem Gutachten Kannewischer begründet werden.
  • Funktionale Anordnung der Erweiterung unter Berücksichtigung der Umstrukturierung des Bestandes.
  • Architektonische Ergänzung des Bestandes als Gesamtensemble.
  • Schaffung einer attraktiven Eingangssituation für Erweiterung und Bestand.
  • Integration in das Umfeld unter besonderer Berücksichtigung des Kurparks und der freigelegten Isenach.

 

Die Büros lösten die gestellte Aufgabe unterschiedlich, nicht alle hielten die gestellten Vorgaben ein. Insbesondere die deutliche Überschreitung des Bauvolumens und somit auch der Kosten in ähnlichem Umfang führt dazu, dass einige der Plangutachten nicht als Grundlage für eine architektonische Verwirklichung dienen können.

Erstmals öffentlich vorgestellt wurden die Gutachten in der Stadtratssitzung am 15. Dezember 2015 im Dürkheimer Haus.

Die detaillierte Vorstellung der Plangutachten erfolgte im Bürgerforum am 19. April 2016!

 

Sacker
a4
Sander
Behnisch
RB
 
 
 

Begleitende Prozesse

Parallel zum Bau eines Thermalbades / Erweiterung des Salinariums ist geplant, ein Nutzungskonzept für das Umfeld des Bades (Brunnenhalle und Traubenkur) zu erarbeiten. Die Brunnenhalle als attraktiver Bau stammt aus den Dreißiger Jahren und weist Sanierungsbedarf auf. Künftig wäre beispielsweise eine Nutzung als Tourist Information möglich. Grundsätzlich wären Verknüpfungsmöglichkeiten mit dem Bau eines Thermalbades / Erweiterung des Salinariums denkbar. Auch der Kurpark mit der freigelegten Isenach bietet Chancen und wird in die Überlegungen einbezogen.

Außerdem hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, sich ein neues Profil als Kur- und Tourismusstandort zu geben. Der Bau eines Thermalbades / Erweiterung des Salinariums mit einem neuen Wellness- und Gesundheitsangebot kann ein zentraler Bestandteil dieses Profils werden. Auf Grundlage bestehender Vorarbeiten und eines Gutachtens soll zunächst eine Bestandsaufnahme der relevanten Kenndaten zum Tourismusstandort durchgeführt und in einem Markenbildungsprozess schließlich eine neues Profil erarbeitet werden.

Diese beiden Prozesse begleiten das Beteiligungsverfahren zum Bau eines Thermalbades / Erweiterung des Salinariums. Sie werden ebenfalls Gegenstand aller Veranstaltungen sein und wir freuen uns dazu auf Ihre Ideen!