Thermenplanung beschäftigt Stadtrat

Fast dreieinhalb Stunden lang beschäftigte sich der Stadtrat in seiner Sitzung am 12. Juni mit dem Bau einer Therme als Erweiterung des Salinariums. Bürgermeister Christoph Glogger wies gleich zu Beginn darauf hin, dass man in dieser Arbeitssitzung das Thema ausführlich vorberaten wolle, um dann in der Stadtratssitzung am 19. Juni einen Beschluss über das weitere Vorgehen fassen zu können.

Glogger erinnerte daran, dass der Stadtrat bereits im Juli 2016 beschlossen hatte, eine Therme als „südliche Vollvariante“ auf Basis einer Studie der Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH und einer Planskizze der 4a Architekten aus Stuttgart an das bestehende Salinarium anzubauen. Die wesentlichen Erkenntnisse und Wünsche aus dem damals vorausgegangenen Bürgerbeteiligungsverfahren waren neben dieser Grundsatzentscheidung für den Thermenbau als Prüfungsaufträge in den Beschluss aufgenommen worden. Dabei handelte es sich um die Kompensation der im Freibad wegfallenden Liegeflächen, ein Warmaußenbecken (veranschlagt mit 470.000 Euro) sowie ein Fitnessbecken für das Salinarium, die Modernisierung und Attraktivierung des Salinariums sowie die Überprüfung, ob in der zweiten Etage der neuen Therme eine Panoramasauna oder Liegeflächen (Kostenrahmen 1 Million Euro) verwirklicht werden könnten. Die Kosten für die Baumaßnahme wurden zum Zeitpunkt des Beschlusses inklusive Baukostensteigerung und einem Puffer auf bis zu 28 Millionen Euro geschätzt.

Das europaweite Ausschreibungsverfahren sei durch die neue Vergabeverordnung sehr aufwendig, insbesondere auch zeitaufwendig gewesen, wies Glogger hin. Der Auftrag zur Planung ging schließlich an die 4a Architekten, die bereits die 2016 vorgestellte Planskizze entworfen hatten. Die Statik wurde an Fischer und Friedrich vergeben, die Technische Gebäudeausrüstung an die Kannewischer Ingenieurgesellschaft. Es gebe einen regelmäßigen „Jour-Fix“, bei dem sich die Planungsgruppe – bestehend aus den Planern, den Stadtwerken und der Stadtverwaltung – austausche. Derzeit befinde man sich in der HOAI Leistungsphase 2, das bedeute, dass gerade die Vorplanung mit Kostenschätzung erstellt werde. Im nächsten Schritt werde die HOAI Leistungsphase 3 mit Entwurfsplanung und Kostenberechnung folgen. In den letzten Monaten sei allerdings deutlich geworden, dass zwischenzeitlich deutliche Kostensteigerungen eingetreten seien.

Der Geschäftsführer der 4a Architekten, Ernst Ulrich Tillmanns, stellte sodann den aktuellen Planungsstand vor, ein „Basispaket“ für den Neubau einer Therme mit Innen- und Außenbecken, Saunabereich, Wellnessbereich, Thermen- und Saunagarten sowie Neugestaltung von Eingangs-, Umkleide- und Verwaltungsbereich im Salinarium, aber ohne Verwirklichung von Warmaußenbecken, Fitnessbecken und technischer Erneuerung im Salinarium sowie einer Panoramasauna in der Therme.

Derzeit würden die Kosten für ein solches Basispaket auf 27,3 Millionen Euro geschätzt, wies der Bürgermeister hin. Kalkuliere man zudem noch eine Kostensteigerung von bis zu 8 Prozent (2,2 Millionen Euro) ein, liege die Kostenschätzung bei 29,5 Millionen Euro. Empfehlen würde er jedoch, auch einen Puffer für Unwägbarkeiten in Höhe von 10 Prozent (2,9 Millionen Euro) mit einzuberechnen, so dass man aktuell bei Kosten von insgesamt 32,4 Millionen Euro liege.

Hiervon würden die Stadtwerke, die neben dem Salinarium künftig auch Träger der Therme sein sollen, selbst 6 Millionen Euro übernehmen. Vom Land Rheinland-Pfalz sei ein Zuschuss von 11,08 Millionen Euro zugesagt, erinnerte Glogger. Damit verbleibe ein städtischer Anteil in Höhe von bis zu 15,4 Millionen Euro. Hierfür würden in den Jahren 2016 bis 2020 jährlich 600.000 Euro an die Stadtwerke überwiesen und die restlichen 12,4 Millionen bei Fälligkeit als Investitionszuschuss zur Verfügung gestellt und durch die zusätzlichen Mittel aus der erhöhten Spielbankabgabe finanziert.

Auch mit einer möglichen Neuordnung bzw. Sanierung des Freibades habe man sich in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt, erläuterte der Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Dürkheim GmbH, Dr. Peter Kistenmacher. Das große Becken (Baujahr 1984) habe zwar seine erwartete Lebensdauer von 30 Jahren überschritten und man könne keine Aussage zur tatsächlichen Lebensdauer abgeben, dennoch sei ein irreparabler Schaden sehr unwahrscheinlich. Sowohl mögliche Rohrbrüche als auch die normalen jährlichen Fliesenschäden seien reparierbar.

Hieraus könne man die Empfehlung ableiten, die mit Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro einhergehende Neuordnung und Sanierung des Freibades in einen weiteren Bauabschnitt (2028) zu verschieben, schlug Christoph Glogger die Vorgehensweise vor. Die Planung hierfür könne aber bereits jetzt vorangetrieben und alle Vorbereitungen getroffen werden.

Die Sanierung der Technik im Salinarium sei nicht zeitgleich mit dem Neubau einer Therme möglich, weshalb sie erst nach Öffnung der Therme angegangen werden sollte. Ob auch eine Betonsanierung im Salinarium anstehe, müsse zunächst durch eine Betonuntersuchung geklärt werden, erläuterte Kistenmacher. Je nach Ergebnis dieser Untersuchung werde mit Sanierungskosten in Höhe von 3 bis 5 Millionen Euro gerechnet.
„Wir hatten in der Planungsgruppe die Überlegung, mit einer Panoramasauna auf dem Dach ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen“, so Glogger. Allerdings würden hierdurch Kosten in Höhe von weiteren 1,75 Millionen Euro anfallen. Deshalb sei in der Basisvariante zwar das Treppenhaus und der Aufzugsschacht mit eingeplant, aber sinnvoll sei auch hier eine Verschiebung der Maßnahme auf einen späteren Bauabschnitt.

Ein ebenfalls diskutiertes Fitnessstudio sei grundsätzlich realisierbar, wenn sich die Investitions- und Betriebskosten durch die Einnahmen selbst finanzieren. Diesen Vorschlag könne man im Aufsichtsrat nach eingehender Wirtschaftlichkeitsuntersuchung diskutieren, es sei aber klar, dass die Stadt hierfür kein zusätzliches Geld in die Hand nehmen könne, machte der Bürgermeister deutlich.

„Wir hatten den Architekten eigentlich vorgegeben, eine zentrale Gastronomie für Therme und Salinarium zu planen, aber der einzig mögliche Standort ist direkt am Sprungbecken“, so der Leiter der Stadtwerke. Die Alternative sei ein Gastronomiebereich für die Therme und ein Gastronomiebereich für das Salinarium am bisherigen Standort. Deshalb sei es sinnvoll, eine Überplanung zur Realisierung von zwei Gastronomien vornehmen zu lassen. Allerdings bedeute dies eine zeitliche Verzögerung der Planung von ca. 10 Wochen.

Durch die Verlegung der Gastronomie entstünde ein möglicher Platz für ein Warmaußenbecken am Salinarium, wies Kistenmacher darauf hin, dass bislang kein geeigneter Platz für das durch den Thermenneubau wegfallende Warmaußenbecken im Salinarium gefunden werden konnte. Erst mit der Neuordnung des Freibadbereiches könne der benötigte Platz für ein Warmaußenbecken eingeplant werden, erläuterte er. „Es geht aber nicht darum, ob wir ein Warmaußenbecken bauen, es geht nur darum, wann wir dies tun!“ stellte Christoph Glogger klar und schlug vor, das Architekturbüro mit einer weitergehenden Prüfung eines möglichen Standortes für ein Warmaußenbecken im Rahmen der Umplanungen der Gastronomie zu beauftragen. Sollte keine geeignete Lösung gefunden werden, so solle die Realisierung des Warmaußenbeckens mit der Freibadneugestaltung angegangen werden. Eine Entscheidung hierüber solle dann in der Stadtratssitzung im August fallen.

Eine intensive Diskussion, insbesondere zum Thema Warmaußenbecken, schloss sich an. Mit einer Gegenstimme wurde folgender Kompromiss beschlossen:
• „Das Warmaußenbecken ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für das Familien- und Freizeitbad Salinarium. Nach dem Wegfall durch den Neubau soll es an anderer Stelle neu errichtet werden.
• Das Architekturbüro wird beauftragt, im Rahmen der Umplanungen der Gastronomiebereiche eine stimmige Lösung für die Realisierung im ersten Bauabschnitt vorzuschlagen.
• Alternativ wird das Warmaußenbecken im späteren Bauabschnitt mit der Neugestaltung der Freibecken realisiert.
• Die Entscheidung über die Realisierung bzw. den richtigen Bauabschnitt wird in der Stadtratssitzung im August getroffen.“

Die Entscheidung über die Realisierung des „Basispakets“ sowie über die weitere Vorgehensweise bei Gastronomie, Panoramasauna, Erneuerung der Technik und Sanierung des Betons im Salinarium, Neugestaltung des Freibades, Errichtung eines Warmaußenbeckens und Überprüfung der Wirtschaftlichkeit eines Fitness-Studios stand in der Stadtratssitzung am 19. Juni auf der Tagesordnung. Den dabei gefassten Beschluss stellen wir ebenso wie die gezeigten Präsentation und die Kostenschätzung im Bürgerinformationssystem zur Verfügung.